In den letzten Jahrzehnten sind immer wieder einmal "neue" Stile entwickelt worden. Nie handelt es sich dabei aber um etwas wirklich Neues! Aber warum kommen Leute auf die Idee, ihren „eigenen Stil“ zu gründen?

 

So hart es klingt: Der Grund ist in fast allen Fällen, dass diese Leute es in keiner der vielen, schon vorhandenen Kampfsportarten und Kampfkünste zu etwas gebracht haben. In seinem „eigenen Stil“ kann man sich nämlich auch als untalentierter und unterdurchschnittlicher Kampfsportler zum Europa- und Weltmeister machen.

 

Fest steht, dass es für jeden, der mit dem Unterrichten von Kampfsport / Kampfkunst sein Geld verdient immer schwieriger wird, da der Markt zunehmend gesättigt und der Konkurrenzdruck hoch ist. Das erklärt auch, warum man mit zum Teil unseriösen Methoden versucht, möglichst viele Schüler zu bekommen und diese langfristig zu binden. Einige haben sich gedacht, da sie in den traditionellen Kampfkünsten nichts zu bieten haben, können Sie potentielle Schüler mit einem „neuen Stil“ locken. Das Fatale ist nämlich, wie oben schon angedeutet, dass man sich als "Stilgründer" phantastisch anmutende Graduierungen und belanglose Titel verleihen kann.

 

Sie werden immer wieder auf Stile treffen der Art "abc - Karate" oder "xyz -Wing Chun" oder "blah blah - Kung Fu".

 

Super VT

XYZ-Kung Fu

Karate-Kung -Fu- MIX

Total-Streetfight

Bla-bla arts

ABC - Self-Defense

Tommies Konzept

 

Man kann sich in dem selbst gegründeten Stil Universal - Ober - Mega - Super - Haupt - Chef - Trainer mit dem 12., …15., ...20. Grad / Dan nennen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und Europameister? Weltmeister? Kein Problem. Als was man eine Meisterschaft in „seinem“ Stil deklariert, ist nämlich Sache des „Stilgründers“. Eine Meisterschaft mit 20 Teilnehmern, die nicht viel mehr als eine Vereinsmeisterschaft ist, wird dann kurzerhand als Weltmeisterschaft/Europameisterschaft  deklariert. Hauptsache, es sind ein paar verschiedene Nationalitäten vertreten. Niemand muss erfahren, dass alle Teilnehmer faktisch in Deutschland leben und ausnahmslos Schüler des „Stilgründers“ sind. Der „Stilgründer“ tritt selbstverständlich selbst bei seinen „Meisterschaften“ an. Nach fünf Jahren kann er dann damit Werbung machen, dass ich 5facher Europa- und Weltmeister in dem von ihm gegründeten Stil ist! Welche Kunst!

 

Niemand, der im Fußball oder im Turnen nicht weiterkommt, könnte mal eben eine fußballähnliche oder turnähnliche Sportart „erfinden“, ohne sich dabei lächerlich zu machen. Leider funktioniert das im Bereich der Kampfkünste relativ gut. Man verfährt dabei wie bei einem Kochrezept: man nehme ein paar Techniken aus dieser Kampfsportart, füge ein paar Techniken aus einer anderen dazu und schmecke sie unter Umständen mit ein paar leicht variierten oder modifizierten Bewegungen einer weiteren Kampfsportart bzw. Kampfkunst ab. Et voilá - fertig ist der "neue" Stil! Jetzt denkt man sich noch ein paar unglaubwürdige Gründe aus, warum das "neue" System nötig war. Dann erklärt man einfach dreist, dass der neue Stil "viel besser" ist als alle anderen Stile. Dieses Verfahren ist meist Augenwischerei - leider aber ganz legal. Man muss "seinem" Stil nur einen noch nicht vorhandenen Namen geben, ein Logo entwerfen und beides dann registrieren lassen.

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